Ausbildung

Handwerk und Haltung

Ausbildung

Die Zukunft ist jetzt

Wer die Henri-Nannen-Schule verlässt, beherrscht das Handwerk des Qualitäts-Journalismus. Das ist unser Versprechen. Angesichts wachsender Breite und Vielfalt dieses Handwerks haben wir die Ausbildung von 18 auf 24 Monate verlängert, wir haben sie vertieft und wir ermöglichen ein breiteres Spektrum an Praktika.

Der Journalismus wird breiter und vielfältiger, er entwickelt immer neue Formen und Formate – darauf reagieren wir nicht mit Spezialisierung, sondern mit Vertiefung. Noch mehr als bislang geht es uns um jene Grundlagen, auf denen alles journalistische Tun ruht: die Kunst der umfassenden Recherche; die Fähigkeit, den Kern einer Geschichte herauszuschälen und kanal-spezifisch aufzubereiten; das Ethos, sich nicht vom Offensichtlichen verführen zu lassen, sondern tiefer zu graben; das Vermögen der präzisen Beobachtung und des treffenden Wortes.

Wir sind überzeugt: Als Generalisten für die Grundsätze, die in allen Mediengattungen relevant sind, haben unsere Absolventen die besten Chancen, die Zukunft des Journalismus mitzugestalten.

Dies spielen wir an vielen, auch den neuesten Formaten durch: von der Reportage bis TikTok, von Podcast zu Nachrichten, von Daten-journalistischen Projekten zu Newsletter, vom Kommentar bis zur Insta-Story. Außerdem erachten wir Kenntnisse, die nicht im strengen Sinne als journalistische gelten, für zunehmend wichtig und vermitteln sie praxisnah: die Fähigkeit, Produkte und Formate zu entwickeln; das Verständnis für Innovationsprozesse; und das Vermögen, redaktionelle Projekte erfolgreich zu steuern.

Für all das nehmen wir uns 24 Monate Zeit. Davon verbringen die Studierenden sieben Monate an der Schule und 17 Monate in Praktika. Sie absolvieren fünf Praktika, eines bei einem tagesaktuellen Medium, also bei Zeitung, Nachrichten-Agentur oder in einer Online-Redaktion, die weiteren vier in einer der zahlreichen Redaktionen und Ressorts der Trägerverlage der Schule, bei Gruner + Jahr, der Zeit und dem Spiegel. Dort arbeiten sie auch in Video-Ressorts, mit Podcast-Teams oder verbringen Zeit in den Innovationsabteilungen der Häuser.

Wir nötigen niemandem eine Spezialisierung auf, aber unsere Erfahrung zeigt: Die allermeisten Schülerinnen und Schüler entwickeln in den beiden Jahren klare Vorlieben und gehen dann ihrer – oft sehr unterschiedlichen – Wege.

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Zeiten

Vertiefung aus gutem Grund

Während der siebenmonatigen Kernphase erlernen die Teilnehmer die Grundlagen des Handwerks. Danach, in der 17-monatigen Vertiefungsphase, absolvieren sie vier Praktika in den Trägerverlagen. Regelmäßig kehren sie zwischen den Praktika für mehrwöchige Seminare an die Journalistenschule zurück.

Lehrplan

Training: in Schule und Redaktionen

Drei Wege führen üblicherweise in den Journalismus: ein Studium, ein Volontariat oder der Besuch einer Journalistenschule. Vom Studium unterscheidet sich eine Journalistenschule durch ihre Konzentration auf das Handwerk. Vom Volontariat, also der Ausbildung in einer Redaktion, unterscheidet sich die Journalistenschule vor allem durch: das intensive Training für alle Medienarten, den Unterricht in Kleingruppen, die unnachgiebige Korrektur der Übungsarbeiten.

Die meisten Seminartage an der Henri-Nannen-Schule bestehen aus Diskussionen, Vorträgen, Übungen – und der offenen, schnörkellosen, gegenseitigen Kritik der Übungsarbeiten. In jedem Seminar gibt es mehrtägige Projekte, bei denen die Teilnehmer etwa Reportagen oder Videos produzieren, eine Tageszeitung erstellen, Magazine entwickeln. Hinzu kommen redaktionelle Kooperationen, meist für digitale Formate, Instagram, Newsletter oder Podcasts etwa.

Die Zeit an der Schule schärft auch die soziale Kompetenz. 18 junge Leute mit höchst unterschiedlichen Fähigkeiten und Leidenschaften müssen lernen, sich als Gruppe zusammenzuraufen, unter Zeitdruck zu arbeiten, in wechselnden Teams sich durchzusetzen. Sie müssen Konflikte ertragen und Kritik an der eigenen Arbeit. Und sie müssen mit wenig Freizeit auskommen, 24 Monate lang. Auch wenn es nirgendwo auf dem Stundenplan steht: Die Schulzeit wird so auch zur Charakterschulung.

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Schreiben

Texte denken. Texte schreiben.

Die Henri-Nannen-Schule ist keine reine Schreibschule. Trotzdem ist unsere Ausbildung geprägt von regelmäßiger, intensiver Arbeit mit Texten. Mit dem Schreiben von Texten in unterschiedlichen Formaten – und mit dem Redigieren eigener und fremder Arbeiten.

Wir lieben gute Texte. Nicht als Selbstzweck, sondern weil sie verraten, ob jemand gut recherchiert und gut gedacht hat. Dies gilt für alle Mediengattungen und alle Formate – denn auch Radio, Podcasts und Fernsehen verlangen die Klarheit des Wortes und die Stringenz der Geschichte. Wir lehren, für jedes Medium den richtigen Ton zu treffen und ein Gespür zu entwickeln für die jeweils angemessene Dramaturgie.

Gutes Schreiben ist dafür unerlässlich. Weil es essentielle journalistische Fähigkeiten erfordert: den Scharfsinn, jedes Thema auf seinen relevanten Kern zu verdichten. Die Geduld, komplexe Themen zu entwirren. Die Präzision beim Beobachten und Wiedergeben. Den Sinn für die Nuancen der Sprache und den Geschmack der Worte.

Wir sind überzeugt: Nur wer gut schreibt, hat eine Zukunft im Metier des Journalismus. Deswegen setzen wir alles daran, diese Fähigkeit zu vermitteln.

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Recherchieren

Die Strategien des Aufspürens

Präzise Recherche ist eine Schlüsselqualifikation des Journalismus, seit jeher. Zugleich gibt es heute mehr Möglichkeiten als zuvor, an Informationen zu gelangen. Zwei gute Gründe, weshalb die Recherche bei uns zur zentralen Lehreinheit geworden ist.

Intensiv trainieren die Journalistenschüler und Journalistenschülerinnen die Recherche im Netz, vor allem im Social Web. Sie suchen nach Personen und Informationen, nach Fotos und Videos, Rohdaten und Original-Dokumenten. Sie lernen die Echtheit von Quellen zu überprüfen, das Deep Web zu nutzen und auch verdeckt im Netz zu recherchieren.

Und sie lernen, wann es Zeit ist, zur Recherche vor Ort aufzubrechen oder zum Telefon zu greifen. Denn das Gespräch mit Informanten und Experten ist, wie die Anschauung vor Ort, durch keine Online-Recherche zu ersetzen. Und natürlich hilft es, die deutschen Auskunftsrechte genau zu kennen, also zu wissen, welche Behörden oder welche Unternehmen einem Journalisten gegenüber zu welchen Auskünften verpflichtet sind.

Kurzum: An der Henri-Nannen-Schule vergeht kaum eine Seminarwoche ohne Rechercheübungen.

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Produzieren

Projekte der Lehrgänge

In den meisten Lehreinheiten arbeiten die Teilnehmer individuell oder in kleinen Teams. Hinzu kommen gemeinsame Seminarprojekte, der gesamte Lehrgang wird dann zu einer Redaktion. Die Schüler entwickeln dabei Dummys für neue Magazine, entwerfen Social-Media-Strategien, covern mit Smartphones ein Festival.

Schon im Grundseminar organisiert sich jeder Lehrgang eine Woche lang als eigenständige Redaktion: um die „Norddeutsche Zeitung“ zu produzieren, inkl. Gestaltung und Layout selbst erstellt. Warum eine Zeitung und nicht eine Website? Weil die Platzbegrenzung in Print zu erhöhter Präzision zwingt und zu konsequenteren Entscheidungen – also intensiveres Lernen erzeugt.

Die meisten Klassenprojekte sind digitaler Natur. So produzierte der 38. Lehrgang Ende 2018 vier Multimedia-Reportagen über ein Leben in Armut, Spiegel.online übernahm die Beiträge. Ein paar Wochen zuvor coverte der Lehrgang das größte Indoor-Schlagerfestival Deutschlands, zwei Tage und zwei Nächte lang, das Ergebnis war ein buntes, schräges Schlager-Dossier auf Stern.de.

Als mobile Reporter texten und filmen Lehrgänge häufig über größere Veranstaltungen, für Webseiten und in Social Media. So coverte der 34. Lehrgang den Bundesparteitag 2012 der Piraten in Bochum, präsentiert bei SZ.de. Der 35. Lehrgang berichtete für Spiegel.online vom Reeperbahn-Festival 2014. Teilnehmer des 36. Lehrgang produzierten für GEO die „Operation Lummenfelsen“, für die ZEIT den „Tod einer Zeche“ und für den Stern den „Kampf um eine US-Luftwaffenbasis“.

Das bisher aufwändigste Projekt unternahm der 37. Lehrgang. Seine Teilnehmerinnen und Teilnehmer zogen im Sommer 2017 in ein Dorf mit 1000 Einwohnern. Sie erstellten ein Web-Magazin aus Texten und Filmen, siehe unten

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Lehrgangsprojekt

eindeutschesdorf.de

16 Journalistenschüler zogen für zwei Wochen in ein Dorf im Emsland. Sie produzierten ein Online-Magazin über das Leben in der Provinz, 2018 ausgezeichnet mit dem Grimme-Online Award.

www.eindeutschesdorf.de